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Montag, 10. Oktober 2016



Mehr als Links-Rechts?

Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben: Am kommenden Sonntag wählt die Stadt Langenthal in einem zweiten Wahlgang einen neuen Stadtpräsidenten, der Thomas Rufener nach acht Jahren in office ablösen wird. Für dieses Amt stehen sich nach dem Ausscheiden eines dritten (knallköpfigen) Sprengkandidaten noch zwei Kontrahenten gegenüber: Reto Müller und Stefan Costa. Auch dies, allseits bekannt – und nein, eine Stadtpräsidentin wird es leider auch dieses Mal (noch) nicht geben.

Um richtig beurteilen zu können, welcher der beiden übriggebliebenen Kandidaten sich wirklich für dieses Amt eignet, sollte man sich indes fragen, welche Tätigkeiten das Stadtpräsidenten-Amt wirklich beinhaltet. Interessant! – denn per 1. 1. 2017 wird sich dieses Amt leicht verändern. Das Stimmvolk hat in einer städtischen Abstimmung unlängst einer neuen Stadtverfassung zugestimmt, die im Artikel 87 – dem Artikel, der die Aufgaben des Stapis bespricht – neu Folgendes enthält: „Die Stadtpräsidentin oder der Stadtpräsident koordiniert die Tätigkeiten des Gemeinderates, leitet die Ratssitzungen, fördert die Stadtentwicklung und vertritt die Interessen der Stadt nach außen, insbesondere gegenüber dem Kanton und der Region.“

Es wird also klar: Bei diesem Stapi-Amt handelt es sich um Exekutivamt. Wieso? Als Stapi wird die neu gewählte Person neben seiner Tätigkeit als Ressortvorsteher (hier ist er in der gleiche Funktion wie alle anderen Mitglieder des Gemeinderates) den Gemeinderat in dessen Ratssitzungen leiten müssen. Er wird dessen Tätigkeit koordinieren, und sich dabei in erster Linie nicht politisch-parteiisch verhalten, sondern eine politisch führende, lenkende und koordinierende Rolle einnehmen. Gewissermaßen wird er tun, was auf Bundesebene die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident tut: Er leitet den Gemeinderat und vertritt, was der Rat beschließt – unabhängig seiner politischen Couleur, als ausgleichende und integrative Kraft, als präsenter Repräsentant, als Ansprechpartner aller Einwohner/innen.

Und weiter? Nach außen, im Kanton und in der Region, wird der neue Stadtpräsident die Stadt Langenthal vertreten dürfen. Dabei ist eine Mitgliedschaft im Großen Rat keine Pflicht, doch wünschenswert ist diese allemal. Also fragen wir uns: Sind beide Kandidaten Mitglieder im Großen Rat? – Ja. Wer ist bereits Gemeinderat? – Reto Müller. Wer ist bereits Vize-Stadtpräsident, und kennt die oben beschriebenen Stapi-Tätigkeiten? – Reto Müller. Und wer der beiden Kandidaten ist jung, dynamisch, und integrativ und präsent? Einmal richtig raten, und umgehend richtig wählen gehen.

Yanick Steiner, 10. Oktober 2016

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