Nachtzug
Um von etwas Abschied nehmen zu können, dachte er, während der Zug sich in Bewegung setzte, musste man ihm auf eine Weise entgegentreten, die inneren Abstand schuf. Man musste die unausgesprochene, diffuse Selbstverständlichkeit, mit der es einen umfangen hatte, in eine Klarheit verwandeln, die erkennen lies, was es einem bedeutete. Und das hiess, dass es zu etwas gerinnen musste, das übersichtliche Konturen hatte.
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Noch einmal spürte er das Gefühl, das ihn vor zehn Tagen mit unerwarteter Wucht überfallen und ihm gezeigt hatte, wie sehr er dieses Gebäude und alles, wofür es stand, liebte und wie sehr er es vermissen würde. Es war das gleiche Gefühl, und es war ein anderes, weil es nicht mehr dasselbe war. Es tat ihm weh zu spüren, dass es nicht mehr dasselbe war und dadurch eigentlich auch nicht mehr gleiche.
Er stand auf, liess den Blick über das blätternde, ausgeblichene Gelb der Fassade gleiten, und nun tat es mit einemmal nicht mehr weh, der Schmerz wich einer schwebenden Empfindung der Neugierde, und er stiess die Tür auf, die nur angelehnt gewesen war und in den rostigen Angeln quietschte wie in einem Gruselfilm.
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